Erfolg braucht eine Idee, die Dir die Richtung angibt
Im Grundlagenartikel habe ich die KIZU-Formel vorgestellt. Sie beschreibt die wesentlichen Einflussfaktoren für Erfolg und deren Zusammenspiel.
Hier kannst Du den Grundlagenartikel lesen.
Im letzten Artikel ging es um die Kraft „K“, Energie und Durchhaltevermögen. Heute schauen wir auf den Faktor „I“ wie Idee. Denn wenn Du Kraft einsetzt, wäre es gut zu wissen, wohin sie Dich bringen soll.
Was ist eigentlich eine Idee?
Eine gute Idee ist mehr als ein Gedanke. Sie ist ein Geschenk unserer Kreativität. Sie zeigt uns eine Richtung, eine Ziel, ein inneres Bild von dem, was entstehen soll. Ohne Idee fehlt uns die Orientierung und die Kraft läuft ins Leere.
Bei einer Idee denken die meisten jedoch zunächst an einen Geistesblitz. An eine Erfindung, ein neues Produkt oder etwas, auf das vorher noch niemand gekommen ist. Das kann auch dazugehören. Aber darauf beschränke ich den Begriff in meiner KIZU-Formel nicht.
Mit Idee meine ich eine mehr oder weniger konkrete Vorstellung davon, was Du erreichen oder verändern möchtest und wie Dir das gelingen könnte. Das kann ein neues Geschäftsfeld sein, eine andere Aufgabenverteilung im Unternehmen, eine Produktverbesserung, ein veränderter Geschäftsprozess oder der Wunsch, künftig wieder mehr Zeit mit Deiner Familie und in der Natur zu verbringen.
Du musst dafür das Rad nicht neu erfinden. Manchmal reicht es schon, eine bekannte Lösung auf die eigene Situation zu übertragen und anzupassen. Entscheidend ist dabei lediglich, ob die Idee zu Deinem Vorhaben passt und ob sie Dir eine sinnvolle Richtung vorgibt.
„Es soll anders werden“ ist ein guter Anfang
Vermutlich kennst Du das auch: Du weißt ziemlich genau, was Du nicht mehr möchtest. Du möchtest nicht mehr so viele Rückfragen, nicht mehr so viel Ärger und nicht mehr jeden Abend als Letzter das Licht ausmachen. Das ist für jeden gut nachvollziehbar. Es beschreibt allerdings zunächst nur, was Du nicht mehr willst bzw. wovon Du wegwillst. Es beschreibt noch nicht, was Du stattdessen erreichen möchtest und wie das aussehen soll.
Stell Dir einen Unternehmer vor, der sagt: „Ich möchte nicht mehr für jede Kleinigkeit zuständig sein und überall gebraucht werden.“ Dahinter können ganz unterschiedliche Vorstellungen und Wünsche stecken. Soll jemand für ihn das Tagesgeschäft übernehmen? Sollen Mitarbeiter künftig mehr selbständig entscheiden? Oder will er seine Rolle im Unternehmen ganz grundsätzlich verändern?
Je nachdem, was er tatsächlich möchte, braucht es ganz unterschiedliche Schritte. Sich einfach nur rarzumachen und weniger erreichbar zu sein, wird vermutlich nicht ausreichen.
Eine konkretere Idee könnte lauten: „Meine Mitarbeiter sollen über alltägliche Kundenanfragen selbst entscheiden. Dazu klären wir, welche Entscheidungen sie künftig treffen können und dürfen und ab wann sie mich hinzuziehen sollen.“ Daraus lässt sich etwas machen. Und es lässt sich später gut erkennen, ob sich dadurch tatsächlich etwas verbessert hat.
Idee, Ziel und Weg gehören zusammen
Die Idee ist zunächst eine gedankliche Vorstellung oder ein möglicher Lösungsansatz. Das sich daraus ergebende Ziel beschreibt dann, was Du erreichen möchtest. Und der Weg besteht aus den Schritten, mit denen Du ans Ziel kommen willst.
Das muss nicht von Anfang an ein bis ins letzte Detail ausgearbeiteter Plan sein. Aber Du solltest Dir und Deiner Umwelt erklären können, was hinter Deinem Vorhaben steckt. Warum es Dir wichtig ist. Was sich dadurch verändern soll. Und woran Du erkennen würdest, dass sich etwas verbessert hat und Du weitergekommen bist.
Auch im Privaten macht das einen Unterschied. „Wir sollten mehr Zeit miteinander verbringen“ klingt zwar gut, ist aber wenig konkret. Die Idee, einen Abend in der Woche gemeinsam füreinander freizuhalten, wird schon greifbarer. Ob dieser Abend dann tatsächlich beiden guttut, zeigt sich dann erst, wenn Ihr es ausprobiert habt.
Eine gute Idee schafft also Orientierung. Sie nimmt Dir das Denken und Entscheiden unterwegs trotzdem nicht ab. Denn nicht jedes Vorhaben, dem wir hinterherlaufen, passt zu uns. Manches übernehmen wir, weil es einfach von uns erwartet wird. Weil andere damit erfolgreich sind. Weil es gerade alle machen. Oder weil wir glauben, dass man das als Unternehmer eben so machen muss.
Ist es überhaupt eine Idee, die zu dir passt?
Mehr Umsatz. Mehr Mitarbeiter. Noch ein weiterer Standort. Das kann alles sinnvoll sein. Es kann aber auch genau das Gegenteil von dem bewirken, was Du persönlich erreichen möchtest und was Dir guttut. Dann passt die Idee nicht zu Dir und Du wirst damit vermutlich auch nicht glücklich werden.
Wenn Du Dir mehr Freiraum wünschst, solltest Du zumindest prüfen, ob dann zusätzliches Wachstum und mehr Umsatz Dich diesem Ziel näherbringen. Vielleicht braucht es dafür zunächst ganz andere Prioritäten und eine andere Organisationsstruktur.
Frag Dich deshalb ehrlich: Will ich das wirklich? Passt die Idee zu meinen inneren Werten und zu dem, was ich unter Erfolg verstehe? Bin ich bereit, die damit verbundenen Konsequenzen zu tragen und den Preis zu bezahlen? Eine Idee muss nicht unbedingt von Dir selbst stammen. Aber wenn Du Deine Kraft und Zeit für sie einsetzt, solltest Du Dich damit identifizieren und sie zu Deiner eigenen Sache machen können.
Eine Idee darf sich entwickeln
Manche Ideen bleiben liegen, weil sie Dir noch nicht gut genug erscheinen. Andere werden mit aller Kraft verfolgt, obwohl längst erkennbar ist, dass sie so nicht funktionieren. Beides kann Dich bremsen und aufhalten. Du brauchst daher nicht von Anfang an einen perfekten Plan. Du musst auch nicht an jedem ursprünglichen Gedanken krampfhaft festhalten.
Am Anfang ist deshalb ein erster, überschaubarer Versuch sehr hilfreich. Besprich Deine Idee und Deinen Lösungsansatz mit den Menschen, die davon betroffen sind und denen Du vertraust. Probiere Deine Idee zunächst in einem begrenzten Rahmen aus. Schau einfach hin, was funktioniert und wo es hakt.
Bei dem Unternehmer aus unserem Beispiel könnte das bedeuten, zunächst für wiederkehrende und ähnliche Kundenanfragen klare Entscheidungsbefugnisse mit den Mitarbeitern zu vereinbaren. Danach lässt sich gemeinsam prüfen, ob die Mitarbeiter damit zurechtkommen und ob der Chef dadurch tatsächlich entlastet wird. Wenn das dann funktioniert, kann man an anderer Stelle in ähnlicher Art und Weise vorgehen.
So wird aus einer ersten Vorstellung ein brauchbarer Ansatz. Doch manchmal zeigt sich trotz der Kraft und Zeit, die Du investierst, dass eine Idee nicht funktioniert. Dann lohnt es sich zu prüfen, ob Widerstände die Umsetzung behindern oder ob die Idee selbst verändert oder verworfen werden muss. Ist sie nicht tragfähig, gilt: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
Wie klar ist Deine Idee?
Denk bitte einmal an ein Vorhaben, das Dir gerade wichtig ist. Versuche, die nachfolgenden Fragen möglichst konkret und ehrlich zu beantworten:
- Was möchtest Du damit erreichen oder verändern?
- Warum ist Dir das persönlich so wichtig?
- Wie könnte eine passende Lösung aussehen?
- Welche Annahme oder Randbedingung dahinter solltest Du zuerst überprüfen?
- Was wäre ein überschaubarer nächster Schritt?
Wenn Du bei einer Antwort hängen bleibst, lohnt es sich, dort genauer hinzuschauen. Vielleicht brauchst Du zusätzliche Informationen oder ein Gespräch mit zusätzlichem Input oder Unterstützung, weil Dir die Entscheidung zwischen mehreren Möglichkeiten schwerfällt.
Die Beziehung zwischen Idee und Erfolg
In der KIZU-Formel wird Idee mit Kraft und Zeit multipliziert. Eine klare Idee hilft Dir, Deine Kraft gezielt einzusetzen. Für ihre Entwicklung und Umsetzung brauchst Du ausreichend Zeit.
Wenn Du eine passende Richtung erkennst, können Begeisterung und Zuversicht entstehen. Solche Folgewirkungen können wiederum Deine Kraft stärken. Die Idee allein übernimmt die Umsetzung allerdings nicht.
Im nächsten Artikel geht es deshalb um „Z“ wie Zeit. Denn auch eine gute Idee braucht Zeit, um sich zu entwickeln und um verwirklicht zu werden.
Und wenn Du Deine Idee mit jemandem gemeinsam durchdenken möchtest, der zuhört, nachfragt und auch mal widerspricht, können wir gerne miteinander reden.
Klar denken. Klug entscheiden. Entschlossen handeln.





